Die Hälfte der Deutschen sieht die Demokratie in Gefahr

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Das Grundgesetz regelt die Demokratie in Deutschland, in diesem Jahr feiert es seinen 70. Geburtstag. Doch wie stehen die Deutschen zur Demokratie? Sehen die Deutschen die Demokratie aktuell in Gefahr? Wer gefährdet die Demokratie hierzulande am meisten? Diesen und weiteren Fragen sind das SINUS-Institut und YouGov anlässlich des "Tag der Demokratie" am 15. September in einer repräsentativen Online-Studie unter Wahlberechtigten nachgegangen.

Die Deutschen sind große Demokratie-Fans: Mehr als acht von zehn Deutschen (83%) halten die generelle Idee der Demokratie für eine gute Sache, fast genauso viele (79%) sind der Meinung, dass die Demokratie die beste Herrschaftsform für dieses Land ist. Allerdings stimmt knapp jeder zehnte Deutsche (9% bzw. 10%) diesen beiden Aussagen nicht zu und steht der Demokratie als Staatsform negativ gegenüber.

Zufriedenheit mit Demokratie spaltet die Bevölkerung - vor allem AfD-Wähler sind unzufrieden

Zwischen der generell positiven Demokratie-Bewertung und der wahrgenommenen praktischen Umsetzung besteht eine deutliche Diskrepanz. Bei der Frage, wie zufrieden die Befragten mit der tatsächlichen Demokratie in Deutschland sind, herrscht Uneinigkeit: Mehr als jeder Zweite (54%) ist zufrieden damit, wie die Demokratie in der Bundesrepublik tatsächlich funktioniert, vier von zehn (40%) sind hingegen unzufrieden. Bemängelt werden beispielsweise die Partizipationsmöglichkeiten der Bürger: Zwei Drittel (65%) sind der Meinung, dass hier zu wenig Mitbestimmung beim Volk liegt, ein Drittel (34%) ist der Meinung, dass ihre Wahlstimme kaum Auswirkung hat.

Die Zufriedenheit mit dem demokratischen Status Quo variiert deutlich zwischen den verschiedenen Wählergruppen: Grünen-Wähler sind am zufriedensten (79%) mit der Funktionsweise der Demokratie in diesem Land. Auch Wähler der CDU/CSU (72%), der SPD und der FDP (beide 64%) sind positiv gestimmt. Schon deutlich abgeschlagen sind die Linken-Wähler (49%). Von den AfD-Wählern ist gerade mal jeder Fünfte (19%) zufrieden.

Rechtsextremismus gilt als größte Gefahr für die Demokratie

Eine knappe Mehrheit (53%) sieht die Demokratie in Deutschland aktuell in Gefahr. Als eine der größten Gefahren für die Demokratie sehen die Befragten dabei vor allem Rechtsextremisten und -populisten (47% bzw. 27%). Mit Abstand folgen Migranten (27%), Linksextremisten sowie die USA (jeweils 22%). Die Befragten konnten aus einer Liste bis zu drei Gefahren auswählen. Knapp zwei Fünftel (38%) sehen derzeit keine Gefahr für die Demokratie.

Jede Wählergruppe nimmt dabei unterschiedliche Bedrohungen wahr: Für AfD-Wähler sind Migranten (54%), die Bundesregierung (37%) und Linksextremisten (33%) die größten Gefahren für unser demokratisches System. Für Grünen-Wähler sind es hingegen Rechtsextremisten (66%) bzw. -populisten (49%) sowie die USA (21%).

Vier von zehn Deutschen sehen die Zukunft der Demokratie pessimistisch

Fast die Hälfte der Deutschen (48%) ist der Ansicht, dass die Demokratie hierzulande gleich gut bzw. gleich schlecht funktioniert wie vor zehn Jahren. Ein Drittel (34%) findet hingegen, dass die Demokratie vor zehn Jahren in einem besseren Zustand war. Die Deutschen sind skeptisch, was die nächsten zehn Jahre für die deutsche Demokratie bringen werden: Vier von zehn Deutschen (41%) erwarten keine Veränderung, fast genauso viele (38%) rechnen allerdings mit einer Verschlechterung.

"Die Demokratie steht in Deutschland wie auch in anderen Ländern seit einigen Jahren vor neuen Herausforderungen", sagt Peter Mannott, Team Manager Custom Research bei YouGov Deutschland. "Das wird auch von den Wählern so wahrgenommen und erzeugt Sorgen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung. Diese Wahrnehmung gilt es als Herausforderung für Politik und Gesellschaft zu verstehen."

Österreicher sind weniger um die Demokratie besorgt

Unsere österreichischen Nachbarn sehen die Demokratie in ihrem Land weniger stark in Gefahr als die Deutschen. Mit 39% ist die Gruppe der Pessimisten deutlich kleiner als hierzulande (53%). Das hat INTEGRAL Marktforschung für Österreich herausgefunden. Weiterhin zeigt sich, dass die Österreicher sich des Wertes ihrer Stimme etwas stärker bewusst sind: Mit 29% sind etwas weniger Befragte der Ansicht, ihre Stimme sei nichts wert (vs. 34% in Deutschland). Der Ausblick für die Demokratie im Lande fällt jedoch ähnlich aus - so rechnen mit 35% etwa gleich viele wie in Deutschland mit einer Verschlechterung (vs. 38% in Deutschland).

Exkurs: Die Parteiaffinität ist eine Frage des Milieus

Die Affinität für eine Partei hängt bei einigen Parteien eng mit dem sozialen Milieu der Wähler zusammen. Dies wird besonders am Beispiel der AfD- und Grünen-Wähler deutlich.

Manfred Tautscher, Geschäftsführer des SINUS-Instituts, erklärt anhand der Sinus-Milieus: "Unter AfD-Wählern finden sich besonders häufig veränderungsscheue Gruppen der unteren Mitte oder Unterschicht, z.B. das Sicherheit und Ordnung liebende Milieu der Traditionellen oder das um Orientierung und Teilhabe bemühte Milieu der Prekären. Diese Milieus fühlen sich von den Veränderungen in der Gesellschaft ausgeschlossen und haben das Gefühl, dass ihre Stimme nur wenig bewirkt."

Die Grünen holten ihre Stimmen hingegen vor allem in jungen und modernen Milieus, z.B. im kreativ-kosmopolitischen Milieu der Expeditiven oder bei den Adaptiv-Pragmatischen, der modernen jungen Mitte der Gesellschaft. Laut Tautscher zeichnen sich diese Gruppen durch hohes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie entsprechend großen Zukunftsoptimismus aus. Weiterhin verdeutliche die Sinus-Milieu-Analyse die Profillosigkeit der SPD, denn die Sozialdemokraten können aktuell kein gesellschaftliches Milieu überdurchschnittlich stark von sich überzeugen.

Methodischer Hinweis

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.020 Personen zwischen dem 22.08 und 01.09.2019 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Über das SINUS-Institut

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.

Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus® - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in "Gruppen Gleichgesinnter" zusammenfasst. Die Sinus-Milieus® zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 40 Länder verfügbar.

SINUS kooperiert eng mit dem Schwesterunternehmen INTEGRAL Marktforschung in Wien, Österreich.

Weitere Informationen über SINUS unter www.sinus-institut.de und auf Facebook.

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