Studie: Die Deutschen sind sehr besorgt um den Zustand der Wälder – aber engagieren sich bisher kaum im Waldschutz

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Mitschnitt Interview Dr. Christoph Schleer (SINUS-Institut)

SINUS-Studie zum Internationalen Tag des Waldes (21.März) in Kooperation mit YouGov

Wissenschaft und Politik schlagen regelmäßig Alarm, wie schlecht es um den Zustand der deutschen Wälder bestellt ist. Doch was kommt davon in der Bevölkerung an? Wird diese Sorge geteilt? Was sind aus Sicht der Deutschen die größten Wald-Probleme? Und generell: Wie gerne halten sie sich im Wald auf, und was machen sie dort am liebsten? Diesen und weiteren Fragen ist das SINUS-Institut in Kooperation mit YouGov zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März in einer repräsentativen Online-Studie nachgegangen.

Deutsche verbringen gerne und oft Zeit im Wald – Lieblingsbeschäftigung: Wandern, Natur genießen und Tiere beobachten

Die Deutschen lieben ihren Wald: Fast die ganze Bevölkerung (87%) verbringt dort gerne Zeit. Sie tut dies auch häufig, denn 72% sind mindestens alle drei Monate im Wald anzutreffen. 29% gehen sogar mindestens wöchentlich in den Wald, weitere 28% immerhin monatlich. Die mit Abstand beliebteste Aktivität der regelmäßigen Wald-Gänger ist „Spazieren / Wandern gehen“ (81%), gefolgt von „Die Natur genießen / Waldbaden“ (49%) und „Tiere beobachten“ (28%). Der Besuch im Wald macht auch neugierig: 77% aller Deutschen würden sich über mehr Lehr- und Lernangebote (z.B. Führungen, Lerntafeln oder Lehrpfade) freuen.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Online-Studie des SINUS-Instituts in Kooperation mit der Data & Analytics Group YouGov, für die im Februar 2021 2.038 Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt wurden.

Die Bevölkerung weiß, dass es dem deutschen Wald schlecht geht – Problembewusstsein wächst mit dem Alter

Drei Viertel der Deutschen (75%) sorgen sich um den Zustand der Wälder im Land. Dieses Problembewusstsein steigt mit dem Alter der Befragten: Während sich 65% in der jüngsten Altersgruppe (18 bis 29 Jahre) besorgt um den Wald äußern, tun dies bereits 71% der 30- bis 39-Jährigen und 81% in der ältesten Altersgruppe (60 bis 69 Jahre). Auch die Zukunft der Wälder stimmt die Deutschen pessimistisch: 61% aller Befragten erwarten, dass sich deren Zustand in den nächsten 20 Jahren verschlechtern wird.

Trockenheit, Bebauung, Müll und Abholzung gelten als die größten Belastungen für den Wald

Die Deutschen geben bei der Frage nach den drei größten Problemen des Waldes eine klare Antwort: „Dürre & Trockenheit“ betrachten 50% als die größte Herausforderung. Mit großem Abstand folgen die „Bebauung von Waldflächen, z.B. Straßen und Wohngebiete“ (38%) und „Müll von Wald-Besuchenden“ sowie „Rodung / Abholzung“ (jeweils 36%).

Mehrheit fordert breiten und besseren Schutz der Wälder – sowohl in Deutschland als auch international

Um die deutschen Wälder zu schützen, finden eine Reihe von Maßnahmen breite Unterstützung: 

  • 82% befürworten, dass hierzulande mehr Wälder unter Schutz gestellt werden, z.B. als Naturschutzgebiet oder Nationalpark.
  • 75% erwarten von der Politik, dass mehr Regeln und Gesetze zum besseren Waldschutz erlassen werden. 
  • Umgekehrt sind nur 11% der Meinung, dass der Waldschutz in Deutschland übertrieben wird.

Die Deutschen schauen nicht nur auf den heimischen Forst, sondern sind sich auch der kritischen globalen Situation bewusst: 84% fordern stärkere internationale Schutzmaßnahmen gegen Waldbrände und 79% erwarten, dass sich die deutsche Politik mehr für den Schutz von Regenwäldern einsetzt.

Nur eine Minderheit engagiert sich bereits für den Waldschutz

Bei aller Liebe für den Wald und trotz des hohen Problembewusstseins betreiben die Deutschen kaum selbst aktiven Waldschutz und scheinen sich eher auf den Forderungen an die Politik auszuruhen. Bisher haben nur 17% der Befragten durch den Kauf bestimmter Produkte Unternehmen oder Organisationen unterstützt, die sich für den Waldschutz einsetzen. 12% haben für den Waldschutz gespendet und 6% haben den Waldschutz durch aktive Mitarbeit vorangetrieben. Jedoch: 57% der Deutschen haben sich überhaupt noch nicht für den Schutz der Wälder durch den Kauf von Produkten, Spenden oder persönliche Mitarbeit eingesetzt. 

„Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass der Wald den Deutschen wichtig ist und sie ihn als Erholungsraum schätzen. Gleichzeitig sehen sie Waldschutz aber nicht in ihrer persönlichen Verantwortung und delegieren diese weg. Hier ist mehr ökologische Aufklärung von Nöten, um das Verantwortungsbewusstsein zu schärfen und den Beitrag des Einzelnen greifbar zu machen“, folgert Philipp Schneider, Head of Marketing DACH bei YouGov.

Die Liebe zum Wald ist in den postmateriell geprägten Milieus am größten 

Die Affinität zum Wald ist in verschiedenen sozialen Gruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. Das zeigt die Analyse auf Basis des Gesellschaftsmodells der Sinus-Milieus®, das die deutsche Bevölkerung vor dem Hintergrund ihrer Werte und Lebensstile in zehn Gruppen Gleichgesinnter kategorisiert. „Die größten Wald-Fans finden sich in den postmateriell geprägten und engagierten Milieus der Liberal-Intellektuellen und Sozialökologischen“, sagt Dr. Christoph Schleer, Senior Research & Consulting am SINUS-Institut, und erläutert: „Es gibt aber auch feine Unterschiede zwischen diesen Lebenswelten: Die Sozialökologischen versuchen, ökologische Aspekte in allen Alltagsbereichen mitzudenken: Der Mensch ist Teil der Natur und darf sich nicht über diese stellen. Die Liberal-Intellektuellen nutzen die Natur hingegen stärker für ihre eigenen Zwecke. So dient dieser aufgeklärten Bildungselite die ursprüngliche und wilde Natur als Ausgleich zum anspruchsvollen Arbeitsalltag. Trotz der emotional großen Verbundenheit zur Natur verhält sich dieses Milieu nicht immer so konsequent zum Wohle von Flora und Fauna wie die Sozialökologischen.“

Blick nach Österreich: Anderes Land, andere Wald-Probleme

Unsere Nachbarn in Österreich machen sich auch mehrheitlich Sorgen um ihre Wälder, aber weniger ausgeprägt als die Deutschen (63% in Österreich sind besorgt um den Zustand ihrer Wälder vs. 75% in Deutschland). Das hat unser Partner INTEGRAL Marktforschung für Österreich herausgefunden. Zudem leidet der österreichische Wald aus Sicht der Bevölkerung an teils anderen Problemen als der deutsche Wald, denn „Bebauung von Waldflächen“ (51%), „Müll von Waldbesuchenden“ (40%) und „Schäden durch Tiere / Schädlinge“ (39%) gelten unseren Nachbarn als die größten Probleme im Wald.

Methodischer Hinweis

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.038 Personen zwischen dem 10. und 17.02.2021 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 bis 69 Jahren.

Über das SINUS-Institut

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.

Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus® - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst. Die Sinus-Milieus® zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 40 Länder verfügbar.

SINUS kooperiert eng mit dem Schwesterunternehmen INTEGRAL Marktforschung in Wien, Österreich.

Weitere Informationen über das SINUS-Institut unter www.sinus-institut.de und auf Facebook.

Über YouGov

YouGov ist eine internationale Data and Analytics Group mit Hauptsitz in London. Unser datenbasiertes Angebot unterstützt und optimiert ein breites Spektrum an Marketingaktivitäten für unsere Kunden, zu denen Medieninhaber, Marken und Mediaagenturen gehören. Wir arbeiten mit einigen der bekanntesten Marken der Welt zusammen. Wir sind der Marktforschungspionier der Multilevel regression with poststratification (MRP) für präzise Prognosen auf granularer Ebene. Laut Pew Research übertrifft die Genauigkeit unser Daten regelmäßig die anderer Wettbewerber.

Mit einem eigenen Panel von mehr als 11 Millionen registrierten Mitgliedern, in mehr als 55 Märkten und Niederlassungen im Vereinigten Königreich, Europa, Nord- und Südamerika, dem Nahen Osten, Indien und dem asiatisch-pazifischen Raum, verfügt YouGov über eines der größten Marktforschungsnetzwerke der Welt. Weitere Informationen finden Sie unter yougov.de

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