Studie: Große Mehrheit der Deutschen findet Bibliotheken wichtig, doch nur wenige sind Mitglied

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In zwei Tagen findet der alljährliche Tag der Bibliotheken statt. Der Aktionstag soll die Auf-merksamkeit auf die rund 10.000 Büchereien in Deutschland lenken und auf ihr umfangreiches Angebot neugierig machen. Doch wie viele Deutschen sind derzeit Mitglied einer Bibliothek? Was wird dort am häufigsten ausgeliehen? Und wie bewerten die Deutschen Lesen generell? Diesen und weiteren Fragen ist das SINUS-Institut in Kooperation mit YouGov anlässlich des Tages der Bibliotheken am 24. Oktober in einer repräsentativen Online-Studie nachgegangen.

Etwa jeder Sechste (16 %) ist aktuell Mitglied einer öffentlichen Bibliothek, weitere 37 % waren es früher einmal.

Dabei sind deutlich mehr Deutsche von der Bedeutung der Bibliotheken überzeugt. So sagen drei Viertel (75 %) der Bevölkerung, dass Bibliotheken als Kultur- und Bildungseinrichtung unverzichtbar seien. Ältere Befragte stimmen dieser Aussage häufiger zu als jüngere: 84 % der 60- bis 69- Jährigen finden Bibliotheken unverzichtbar, unter 18- bis 29- Jährigen sagen dies nur zwei Drittel (66 %). Weiterhin würden es 58 % schade finden, wenn ihre öffentliche Bibliothek vor Ort schließen müsste.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Online-Studie des SINUS-Instituts in Kooperation mit YouGov, für die 2.026 Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt wurden.

Andere Beschaffungsmöglichkeiten, fehlende Infrastruktur und Kosten hemmen Bibliotheksnutzung

Die Ergebnisse der Umfrage geben auch Aufschluss über mögliche Gründe für die Nichtnutzung einer öffentlichen Bibliothek. Für die Mehrheit aller Befragten (57 %) ist es attraktiver, ein Medium bei Interesse zu kaufen, als es in einer Bibliothek auszuleihen. 40 % leihen ein Medium lieber im Freundes-, Familien- oder Kollegenkreis aus als in einer Bücherei.

Auch in der Infrastruktur besteht aus der Sicht einiger Deutscher Aufholbedarf: 29 % sagen, dass die Öffnungszeiten dieser Einrichtungen nicht zu ihrer frei verfügbaren Zeit passen, und 27 % geben an, keine öffentliche Bibliothek in ihrer wohnlichen Nähe zu haben.

Außerdem spielen Kosten für 20 % eine Rolle: Sie geben an, dass ihnen der Mitgliedsbeitrag einer öffentlichen Bibliothek zu teuer sei. Dies sagen Befragte im Alter von 18 bis 29 Jahren tendenziell am häufigsten.

Die Hälfte der Österreicher war noch nie Bibliotheksmitglied

Österreicher ticken ähnlich wie Deutsche, wenn es um Bibliotheken geht. Das hat der SINUS-Partner INTEGRAL Marktforschung herausgefunden. So sind Bibliotheken für 71 % der Österreicher als Kultur- und Bildungseinrichtung unverzichtbar (Deutschland: 75 %). Allerdings ist die Zahl derjenigen Österreicher, die noch nie Mitglied einer öffentlichen Bibliothek waren, höher (51 % vs. 44 % in Deutschland).

Für die Hälfte der Deutschen ist „Tag der Bibliotheken“ wichtig

Der „Tag der Bibliotheken“ soll auf die Rolle von Bibliotheken als Wissensspeicher, Informationsvermittler und kulturelle Einrichtung aufmerksam machen. Jeder zweite Deutsche (51 %) findet es wichtig, dass es diesen Aktionstag gibt.

In Büchereien werden am häufigsten Bücher ausgeliehen, andere Medien deutlich weniger

Bei der Frage, welche Medien üblicherweise in einer Bibliothek ausgeliehen werden, sind Bücher mit Abstand die häufigste Antwort: 80 % der Deutschen, die jemals Mitglied in einer Bibliothek waren, machen diese Angabe. Befragte im Alter von 60 bis 69 Jahren sagen dies am häufigsten (85 %). Für ein Fünftel aller Befragten (19 %) sind es DVDs oder Blu-Rays, für 16 % CDs, für jeweils 11 % Hörbücher und Zeitschriften. 9 % geben an, üblicherweise E-Books ausgeliehen zu haben.

Die Mehrheit der Deutschen greift zum gedruckten Buch, nur wenige finden Lesen langweilig

Generell bewerten die Deutschen Lesen als eine positive Sache. So gibt eine knappe Mehrheit der Deutschen (55 %) an, gerne Bücher zu lesen. Etwa genauso viele (57 %) würden gerne mehr Bücher lesen, aber ihnen fehlt die Zeit dazu, und mehr als jeder Vierte (28 %) liest manche Bücher sogar mehrmals. Nur 15 % aller Deutschen finden Lesen explizit langweilig. Für die Lektüre greifen Deutsche deutlich häufiger zum gedruckten Buch als zum E-Book: 61 % lesen nur bzw. eher gedruckte Bücher, während 10 % eher bzw. ausschließlich E-Books lesen.

Trotz Corona-Krise wird nicht häufiger gelesen – Sachbücher, Kriminalromane und Fantasy-Bücher sind am beliebtesten

Nur 17 % der Befragten sagen, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten, in die auch die Corona-Pandemie fällt, mehr Bücher als im Vorjahr gelesen haben. Etwas mehr Befragte, nämlich 26 %, haben weniger Bücher gelesen als im Vorjahr. Insgesamt blieb die Lesehäufigkeit in Deutschland jedoch eher stabil, denn knapp die Hälfte (48 %) hat genauso viel gelesen wie im Vorjahr.

Am häufigsten haben deutsche Leser in den letzten zwölf Monaten zu Sachbüchern gegriffen (54 %), gefolgt von Kriminalromanen (47 %) und Science Fiction / Fantasy (30 %). Am seltensten hielten die Deutschen Comics (12 %), klassische Literatur (11 %) und Gedichtbände (5%) in den Händen.

Lebensstil und Werte erklären Begeisterung für Büchereien und Lesen

Die Affinität zu Büchereien und Lesen ist weniger vom Alter abhängig, sondern vielmehr durch die Lebenswelt einer Person geprägt – das zeigt die Ergebnisanalyse nach dem Gesellschaftsmodell der Sinus-Milieus®. Dieses Modell teilt die deutsche Gesellschaft in zehn „Gruppen Gleichgesinnter“ mit ähnlichen Werten, Lebensstilen und Verhalten ein.

„Besonders die Gruppen der Liberal-Intellektuellen und Sozialökologischen sind häufiger Mitglieder von Bibliotheken und lesen überdurchschnittlich gerne und viel. Diese beiden Milieus sind in ihren Werten postmateriell geprägt und haben ein starkes Bedürfnis nach geistiger Anregung durch Bildung, Kultur und Lernen“, erklärt Dr. Silke Borgstedt, Director Research & Consulting am SINUS-Institut. Auch das Milieu der Expeditiven zeigt ein ähnliches Verhalten, das sich aber anders erklären lässt: „Diese kreative und ambitionierte Avantgarde unserer Gesellschaft ist immer auf der Suche nach kreativem Input, spontaner Abwechslung und neuen Erfahrungen“, so Borgstedt.

 

Methodischer Hinweis

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.026 Personen zwischen dem 24. und 30. September 2020 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren.

Über das SINUS-Institut

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.

Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus® - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst. Die Sinus-Milieus® zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 40 Länder verfügbar.

SINUS kooperiert eng mit dem Schwesterunternehmen INTEGRAL Marktforschung in Wien, Österreich.

Weitere Informationen über das SINUS-Institut unter www.sinus-institut.de und auf Facebook.

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