Umfrage: Frauen sehen Gleichberechtigung deutlich weniger verwirklicht als Männer

Download Pressetext (PDF 332KB)

#MeToo, Time‘s Up, Gender Pay Gap - nicht zuletzt durch diese Bewegungen und Themen erfährt die Gleichstellung der Geschlechter wieder mehr Aufmerksamkeit. Doch wie beurteilen die Deutschen aktuell die Gleichstellung zwischen Frau und Mann, z.B. in Beruf, Politik oder im Privaten? Wie hat sich die Gesellschaft in den letzten zehn Jahren in diesem Thema entwickelt? Und: Wie steht die Bevölkerung zu einer Frauenquote für Führungspositionen in der Wirtschaft? Diesen und weiteren Fragen ist das SINUS-Institut in Kooperation mit YouGov anlässlich des Weltfrauentags am 08.März in einer repräsentativen Online-Studie nachgegangen.

Am 8. März wird überall auf der Welt der Internationale Frauentag gefeiert. Der Tag macht auf die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam und steht insbesondere für die Rechte von Frauen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass dieser Tag immer noch seine Berechtigung hat. Denn mehr als die Hälfte der Deutschen (54 %) sagt, dass generell eher Männer in der Gesellschaft Vorteile genießen. Männer und Frauen unterscheiden sich hier deutlich: Während knapp sieben von zehn Frauen (67 %) finden, dass Männer mehr Vorteile genießen, sind nur ca. vier von zehn Männern (42 %) dieser Meinung. Nur eine Minderheit von 10 % der Deutschen ist der Meinung, dass Frauen generell mehr Vorteile genießen.

Gleichstellung der Frau hat sich verbessert

Alles in allem sehen die Deutschen die Gleichstellung zwischen Mann und Frau durchschnittlich zu 61 % verwirklicht (Männer: 66 % vs. Frauen: 56 %). Die Bevölkerung erkennt jedoch einen Wandel: So ist die Mehrheit der Deutschen (59 %) der Meinung, dass sich die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft in Deutschland in den letzten zehn Jahren eher verbessert hat. Das sagen 66 % der Männer und 51 % der Frauen.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Online-Studie anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März des SINUS-Instituts in Zusammenarbeit mit YouGov, für die 2.008 Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt wurden.

Frauen im Privaten, in Politik und Medien gleichgestellt, nicht aber im Beruf

Inwiefern unterscheidet sich aber die wahrgenommene Gleichstellung von Frau und Mann in verschiedenen Lebensbereichen? 67 % der Deutschen sehen eine Gleichstellung beider Geschlechter im privaten Umfeld, ein Viertel (26 %) tut dies nicht. Dabei sind 76 % der Männer der Ansicht, dass Frauen und Männer im Privaten gleichgestellt sind (vs. 58 % der Frauen). Die Hälfte der Befragten (50 %) ist der Meinung, dass in der Politik eine Gleichstellung zwischen Frauen und Männern besteht. Ähnlich sieht es im medialen Umfeld aus: 51 % finden, dass Frauen und Männer in den Medien als gleichwertig dargestellt werden.

Anders stellen sich die Umfrageergebnisse jedoch im Beruflichen dar: Zwei Drittel der Befragten (64 %) geben an, dass Frauen und Männer im beruflichen Umfeld nicht gleichgestellt sind. Besonders die Frauen (76 %) lehnen die Aussage, dass die Geschlechter im Beruf gleichgestellt sind, deutlich stärker ab als Männer (53 %). Generell zeigen die Daten, dass Männer die Gleichstellung im privaten, politischen, medialen sowie beruflichen Umfeld stets positiver bewerten als Frauen.

Die Gleichstellung von Mann und Frau wird von verschiedenen sozialen Gruppen sehr unterschiedlich wahrgenommen – das zeigt die Analyse nach dem Gesellschaftsmodell der Sinus-Milieus®. „Die soziokulturell modernen Milieus sehen hier deutlich mehr Handlungsbedarf als die traditionsorientierten Milieus“, fasst Manfred Tautscher, Geschäftsführer des SINUS-Instituts, zusammen. „Die größte Kritik an fehlender Gleichstellung äußert das Milieu der Sozialökologischen. Diese stark postmateriell-geprägte Gruppe besteht aus starken Verfechtern sozialer Gerechtigkeit und Diversität. Den kleinsten Handlungsbedarf erkennt hingegen die Gruppe der Konservativ-Etablierten. Das ist das klassische Establishment unserer Gesellschaft, dort hält man auf einer traditionellen Rollenverteilung fest“.

Frauenquote in Führungspositionen von Wirtschaftsunternehmen spaltet die Deutschen

Die Antwort auf die Frage, ob für Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft eine Frauenquote existieren solle, fällt ambivalent aus: 44 % der Deutschen befürworten diese, 43 % lehnen sie ab. Beim Blick auf die Geschlechter sind die Meinungen jedoch eindeutiger: 56 % der Männer sind gegen die Frauenquote, bei den Frauen sind es nur 30 %.

Sechs von zehn Deutschen finden den Internationalen Frauentag wichtig

70 % der Befragten haben bereits vom Weltfrauentag gehört. Sechs von zehn Deutschen (60 %) finden es wichtig, dass es den Internationalen Frauentag gibt, um sich für Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter stark zu machen. Allerdings finden 34 % aller Befragten den Aktionstag nicht wichtig. „Im Hinblick auf die Geschlechter zeigen die Daten einen deutlichen Unterschied“, sagt Philipp Schneider, Head of Marketing bei YouGov. „Zwei von drei Frauen schreiben dem Weltfrauentag Wichtigkeit zu, im Gegensatz dazu nur etwas mehr als jeder zweite Mann. Hier wird deutlich, dass Unternehmen, die den Weltfrauentag in ihre Unternehmenskommunikation integrieren, ihre Zielgruppe und deren Wertmaßstäbe kennen müssen.“

In Deutschland hat 2018 einzig das Bundesland Berlin den Frauentag zum Feiertag erklärt. 43 % der Deutschen sind der Meinung, dass dieser Tag in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag werden sollte, 48 % sind nicht dieser Meinung. Auch in Österreich ist der Weltfrauentag kein gesetzlicher Feiertag. Die Österreicher sagen hingegen nur zu 16 %, dass jener Tag zum Feiertag erklärt werden sollte, 77 % sprechen sich dagegen aus. Das hat INTEGRAL Marktforschung, der österreichische Partner des SINUS-Instituts, herausgefunden.

Methodischer Hinweis

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.008 Personen zwischen dem 10.02. und 16.02.2020 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren.

Über das SINUS-Institut

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.

Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus® - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst. Die Sinus-Milieus® zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 40 Länder verfügbar.

SINUS kooperiert eng mit dem Schwesterunternehmen INTEGRAL Marktforschung in Wien, Österreich.

Weitere Informationen über SINUS unter www.sinus-institut.de und auf Facebook.

Über YouGov

YouGov ist eine internationale Data and Analytics Group. Unsere Daten basieren auf unserem hochgradig partizipativen Panel, bestehend aus weltweit 7 Millionen Menschen. Aus diesem kontinuierlichen Datenstrom, kombiniert mit unserer breiten Forschungsexpertise und Branchenerfahrung, haben wir eine systematische Forschungs- und Marketingplattform entwickelt.

Mit 36 Standorten in 22 Ländern und Panelmitgliedern in 44 Ländern verfügt YouGov über eines der zehn größten Marktforschungsnetzwerke weltweit.

Weitere Informationen finden Sie unter yougov.de

Kontakt für Rückfragen

SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH

Susanne Ernst
Telefon: +49 (0) 6221 80 89 – 0
Mail: presse(at)sinus-institut.de

YouGov Deutschland GmbH

Anne-Kathrin Sonnenberg, PR Manager
Telefon: +49 (0) 221 420 61 – 444
Mail: presse(at)yougov.de