Wahrnehmung klimaneutraler Produkte

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat das SINUS-Institut beauftragt, in einer repräsentativen Online-Befragung zu untersuchen, welcher Anteil der Verbraucher*innen die Bedeutung von „klimaneutral“-Aussagen richtig einordnen kann, und wie sie die Bezeichnung „klimaneutral“ wahrnehmen und bewerten.

Auf immer mehr Produkten wird mit der Auszeichnung „klimaneutral“ geworben. Die Aussage ist gesetzlich nicht geschützt, es gibt weder eine einheitliche Definition noch eine Überprüfung durch unabhängige Stellen. In der derzeit marktgängigen Verwendung bedeutet „klimaneutral“ in der Regel, dass für ein Produkt eine CO2-Bilanz erstellt wurde und entstandene Emissionen durch Zahlungen an (meist internationale) Klimaschutzprojekte kompensiert wurden. Nicht versprochen wird hingegen, dass die Produkte einen besonders niedrigen CO2-Ausstoß aufweisen oder gar emissionsfrei sind oder dass die Hersteller Maßnahmen zur CO2-Reduzierung entlang der Wertschöpfungskette umsetzen. In den vergangenen Jahren wurde jedoch u.a. mit Formulierungen wie „100% klimaneutral hergestellt“ oder „klimaneutrales Produkt“ geworben. Semantisch wird „klimaneutral“ so in die Nähe von „Herstellung“ bzw. „Produktion“ gerückt – anstatt deutlich das Prinzip des Ausgleichs zu betonen. Daher besteht aus Sicht der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Gefahr, dass sich bei vielen Verbraucher:innen ein falsches Verständnis etabliert hat.

Die Studie zeigt u.a.:

  • Die Vorstellungen der Verbraucher*innen zum Begriff "klimaneutral" sind vielfältig und reichen von "umweltfreundliche Herstellung" über "kein/reduzierter CO2-Ausstoß" bis hin zu "weniger Plastik" – nur wenige Befragte denken zuerst an den CO2-Ausgleich.
  • Nur 3% der Verbraucher*innen wissen im Detail, was die Bezeichnung "klimaneutral" auf Produkten besagt. 39 Prozent wissen zwar, dass der CO2-Ausstoß ausgeglichen wird. Doch 52 Prozent glauben, dass sich die Hersteller zu Maßnahmen zur Reduktion oder Vermeidung des CO2-Ausstoßes der Produkte verpflichtet haben.
  • Auch bei den besonders umweltbewussten Verbraucher*innen sind falsche Vorstellungen zur Klimaneutralität weit verbreitet.
  • 89 Prozent der Verbraucher*innen wünschen sich klare Regeln für "klimaneutrale" Produkte – und eine unabhängige Überprüfung. 86 Prozent sind der Ansicht, dass nur Produkte die Bezeichnung "klimaneutral" tragen dürfen, die auch klimafreundlich hergestellt wurden.

* über den Auftraggeber Verbraucherzentrale Nordrhein-Wetsfalen

Zur Methode

  • Befragungsmethode: Onlinebefragung (CAWI = Computer Assisted Web Interviewing)
  • Grundgesamtheit: nach Alter, Geschlecht, Bildung, Haushaltseinkommen und Region quotierte Stichprobe
  • Stichprobengröße: 1.000 Befragte
  • Erhebungszeitraum: 13. bis 20. Juni 2022

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