Umfrage: Corona als Belastungsprobe für Eltern – Mehrheit der Deutschen wünscht sich stärkere Anerkennung der Stapazen durch die Politik

Die Beziehung zu den eigenen Eltern oder auch den eigenen Kindern ist ein Thema, das die Menschen ein Leben lang intensiv und oft auch emotional beschäftigt. In Zeiten der Corona-Pandemie wird der Alltag bei Familien mit schulpflichtigen und Kita-Kindern auf eine harte Probe gestellt. Jährlich am 1. Juni wird der Weltelterntag begangen. In einer gemeinsamen Umfrage mit YouGov hat das SINUS-Institut die Deutschen nach ihren Eltern- und Kinder-Beziehungen, nach ihren Erwartungen an sich selbst bei der Kindererziehung sowie nach ihren Einstellungen dazu befragt.

Umfrage: Corona als Belastungsprobe für Eltern

Seit mehr als einem Jahr wird das häusliche Zusammenleben durch die Corona-Pandemie beherrscht: Isolation, Homeschooling und Kita nur als Ausweich-Option – die Maßnahmen zum Schutz vor der Coronavirus-Ausbreitung gehen zu Lasten der Eltern. Mehr als zwei Drittel (69%) der Deutschen sind der Ansicht, dass die Belastung von Eltern mit (Klein-)Kindern während der Corona-Krise nicht ausreichend von der Politik berücksichtigt wird. Dies sagen Personen mit Kindern im Haushalt (74%) bzw. Befragte aus Haushalten mit 5 Personen oder mehr (80%) erwartungsgemäß noch häufiger.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Online-Studie der internationalen Data & Analytics Group YouGov in Kooperation mit dem SINUS-Institut, für die 2.029 Personen zwischen 18 und 69 Jahren anlässlich des Weltelterntages am 1. Juni befragt wurden. Der durch die Vereinten Nationen 2012 ausgerufene Weltelterntag würdigt die zentrale Rolle der Eltern in Bildung, Erziehung und Betreuung ihrer Kinder. Dabei soll Eltern besondere Wertschätzung für ihre Verantwortung, Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, zuteilwerden.

Umfrage: Corona als Belastungsprobe für Eltern

Deutsche verstehen sich gut mit den eigenen Eltern und finden diese großartig

Generell ist das Verhältnis der Deutschen zu ihren Eltern größtenteils positiv: Vier von Fünf (80%) haben oder hatten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Die Bewertung fällt bei Jüngeren am positivsten aus.

Weiterhin empfinden vier von fünf Befragten (79%) Dankbarkeit für ihre Eltern. Ein vergleichbarer Anteil der Deutschen (77%) blickt auf eine kindgerechte Entwicklung dank der eigenen Eltern zurück. Jeweils 74% sagen, dass ihre Eltern immer für sie da waren sowie dass ihre Eltern sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie sind. 73% geben an, dass ihre Eltern ihren moralischen Kompass stark geprägt haben, und praktisch ebenso viele (72%) sind der Meinung, dass ihre Eltern großartig sind bzw. waren. Dem gegenüber sagen 14%, dass sie nichts mehr mit ihren Eltern zu tun haben wollen.

Umfrage: Corona als Belastungsprobe für Eltern

Erwartungen an die eigene Elternschaft – Vorbildwirkung am wichtigsten

Fast alle Befragten mit Kindern im eigenen Haushalt geben an, ein gutes Vorbild für ihre Kinder sein zu wollen (94%). Dass sie ihnen die gleichen Werte vermitteln wollen, die ihre Eltern ihnen vermittelt haben, sagen knapp drei Viertel der deutschen Eltern (73%). Die Hälfte der Eltern (50%) sagt jedoch auch, dass sie ihre Kinder besser erzieht, als ihre Eltern sie selbst erzogen haben. Dies sagen Befragte zwischen 18 und 29 Jahren am häufigsten (59%).

Vier von Fünf begrüßen Eingreifen des Staates bei Überforderung der Eltern

Der Rolle des Staates wird bei Härtefällen in der Kindererziehung große Bedeutung beigemessen. So stimmen 81% aller Befragten zu, dass der Staat, beispielsweise in Form von Jugendämtern oder Familienberatungsstellen, eingreifen dürfen sollte, wenn Eltern nicht in der Lage sind, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Unter Personen mit Kindern im Haushalt und älteren Befragten (60-69 Jahre) ist die Zustimmung mit 84% etwas größer.

„Unsere Daten zeigen, dass die Deutschen mehrheitlich ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben und die gleichen Werte vermitteln wollen, die sie vermittelt bekommen haben. Dies deutet auf eine hohe Wertschätzung der Elterngeneration hin“, fasst Philipp Schneider, Head of Marketing DACH bei YouGov, die Ergebnisse zusammen. „Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass sich Eltern bei der Bewältigung der Herausforderungen, vor denen sie stehen, von der Politik nicht genügend unterstützt fühlen. Dabei spricht sich eine Mehrheit für eine aktivere Rolle des Staates bei der Unterstützung überforderter Familien aus.“

Hohe Akzeptanz unterschiedlicher Familienbilder

In Politik und Medien werden Familienmodelle mitunter sehr emotional diskutiert. Doch wie steht die Bevölkerung dazu? Über die Äußerung, dass eine gute Eltern-Kind-Beziehung der Grundstein für ein glückliches Leben sei, herrscht hierzulande große Einigkeit: 89% stimmen dem zu, 60- bis 69-Jährige sogar mit 94%.

Die Bevölkerung steht dabei auch dem nicht-klassischen Familienmodell durchaus positiv gegenüber: Dass es gut sei, dass heutzutage weitere Familienmodelle akzeptiert werden als das klassische Mutter-Vater-Kind-Modell, sagen drei Viertel der Befragten (75%).

Gleichwohl stimmen 77% aller Befragten in Deutschland zu, dass für die Entwicklung von Kindern die gemeinsame Erziehung durch Vater und Mutter wichtig sei. Auch bei dieser Aussage lassen sich Differenzen in den Altersgruppen erkennen: Während die 60-69-Jährigen mit 88% zustimmen, machen unter 18- bis 29-Jährigen nur 67% diese Angabe.

Einstellung zu Familienmodellen wird durch Wertorientierungen geprägt

Das präferierte Familienmodell hängt stark mit der Werteorientierung der Befragten zusammen. Das zeigt die Analyse auf Basis des Gesellschaftsmodells der Sinus-Milieus®, das die deutsche Bevölkerung vor dem Hintergrund ihrer Werte und Lebensstile in zehn Gruppen Gleichgesinnter kategorisiert.

„In konservativeren Milieus der Bevölkerung wird das klassische Familienmodell mit traditioneller Rollenverteilung zwischen Vater und Mutter besonders befürwortet. Dazu zählen die Milieus der Konservativ-Etablierten, das ist das klassische Establishment, und das Milieu der Traditionellen als Sicherheit und Ordnung liebende ältere Generation“, erläutert Dr. Silke Borgstedt, Director Research & Consulting am SINUS-Institut. In (post-)modernen Milieus ist die Offenheit gegenüber anderen Familienmodellen hingegen deutlich ausgeprägter, insbesondere in der kosmopolitischen Avantgarde des Expeditiven Milieus und in den bildungsbürgerlichen Milieus der Liberal-Intellektuellen und Sozialökologischen.

Die Mitte der Gesellschaft zeigt sich in dieser Angelegenheit gespalten. „Während die alte Mitte der Gesellschaft, das Milieu der Bürgerlichen Mitte, stärker das traditionelle Familienbild befürwortet, werden in der jungen Mitte der Gesellschaft, im Milieu der Adaptiv-Pragmatischen, bereits andere Familienmodelle gelebt und eingefordert“, ergänzt Borgstedt.

Inanspruchnahme von Elternzeit ist weiterhin überwiegend Frauensache

Unter den Befragten mit Kindern zeigt der Blick auf die als Elternzeit bezeichnete berufliche Freistellung nach der Geburt, dass Frauen immer noch länger ihre Arbeit unterbrechen als Männer. So sagen 32% aller Eltern aus, die komplette Elternzeit allein übernommen zu haben, unter Frauen sagen dies 52%, unter Männern 4%. Männer sagen wiederum häufiger, den geringen Teil der Elternzeit übernommen zu haben (15% vs. 1% der Frauen). Dass sie sich die Elternzeit zu gleichen Teilen geteilt haben, sagen insgesamt nur 6% der Eltern in Deutschland. „Der Nachholbedarf in Bezug auf die Gleichberechtigung zeigt sich beispielsweise bei der Wahrnehmung der Elternzeit. Auch wenn hier in den letzten Jahren Fortschritte erzielt wurden, wird diese weiterhin mehrheitlich von Frauen wahrgenommen“, kommentiert Philipp Schneider, Head of Marketing DACH bei YouGov.

Umfrage: Corona als Belastungsprobe für Eltern

Gemeinsame Kind-Betreuung durch beide Elternteile für Österreicher noch wichtiger

Für unsere Nachbarn in Österreich fallen die Ergebnisse ähnlich aus. Jedoch ist die gemeinsame Betreuung durch Vater und Mutter noch wichtiger als für die Deutschen (82% vs. 77% der Deutschen). Das hat der SINUS-Partner INTEGRAL Marktforschung für Österreich herausgefunden. Etwas mehr Österreicher als Deutsche haben dabei auch eine progressivere Haltung zu Familienmodellen: Vier von fünf (79%) sagen, dass es gut sei, dass heutzutage weitere Familienmodelle akzeptiert werden als das klassische Mutter-Vater-Kind-Modell (in Deutschland 75%). Gegen das Eingreifen des Staates bei Überforderung der Eltern sprechen sich mit 16% der österreichischen Befragten mehr aus als in Deutschland (11%).

Umfrage: Corona als Belastungsprobe für Eltern

Methodischer Hinweis

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.029 Personen zwischen dem 23. und 29.04.2021 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 bis 69 Jahren.

Über das SINUS-Institut

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.

Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus® - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst. Die Sinus-Milieus® zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 40 Länder verfügbar.

SINUS kooperiert eng mit den Schwesterunternehmen INTEGRAL Markt- und Meinungsforschung in Wien, Österreich, und OPINION Market Research & Consulting, Nürnberg (INTEGRAL-SINUS-OPINION Gruppe).

Weitere Informationen über das SINUS-Institut unter www.sinus-institut.de

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SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH
Tim Gensheimer
Telefon: +49 6221 8089-60
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YouGov ist eine internationale Data and Analytics Group mit Hauptsitz in London. Unser datenbasiertes Angebot unterstützt und optimiert ein breites Spektrum an Marketingaktivitäten für unsere Kunden, zu denen Medieninhaber, Marken und Mediaagenturen gehören. Wir arbeiten mit einigen der bekanntesten Marken der Welt zusammen. YouGov ist Vorreiter in der Marktforschungsindustrie und hat als Erster die Methode „Multilevel Regression with Poststratification (MRP)“ für präzise Prognosen auf granularer Ebene eingesetzt. Laut Pew Research übertrifft die Genauigkeit unser Daten regelmäßig die von Wettbewerbern.

YouGov hat ein eigenes Panel mit mehr als 15 Millionen registrierten Mitgliedern in mehr als 55 Märkten und unterhält Niederlassungen im Vereinigten Königreich, Europa, Nord- und Südamerika, im Nahen Osten, Indien und im asiatisch-pazifischen Raum. Damit verfügt YouGov über eines der größten Marktforschungsnetzwerke der Welt.

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