SINUS-Studie zu den Migranten-Lebenswelten in Deutschland 2016

Zum Thema
Zum Thema

Unbestritten hat das Zukunftsthema Migration / Immigration einen enormen Einfluss auf die gesellschaftliche Situation in Deutschland. Vor diesem Hintergrund wurden im Zeitraum 2007/ 2008 zum ersten Mal die Lebenswelten und Lebensstile von Menschen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund, so wie sie sich durch das Leben in Deutschland entwickelt haben, mit dem gesellschaftswissenschaftlichen Ansatz der Sinus-Milieus© untersucht. Ziel war ein unverfälschtes Kennenlernen und Verstehen der Alltagswelt von Migranten, ihrer Wertorientierungen, Lebensziele, Wünsche und Zukunftserwartungen. Im Ergebnis konnten acht Migrantenmilieus mit jeweils ganz unterschiedlichen Lebensauffassungen und Lebensweisen identifiziert und beschrieben werden.

In der Zwischenzeit hat sich durch die verstärkte Zu- und Abwanderung in der letzten Dekade und dem Flüchtlingszustrom der letzten Monate die Migrantenpopulation in Deutschland verändert. Zentral ist dabei die Frage, welche Segregations- und Assimilationstendenzen auszumachen sind: Welche Gruppen gehen allmählich in der Aufnahmegesellschaft auf, in welchen Gruppen zeigt sich hingegen Enttäuschung und Resignation (Abwanderungsgedanken, reaktive Aggression) aufgrund mangelnder Integrationsfortschritte?

Eine interdisziplinäre Projektgruppe, bestehend aus dem Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung vhw, dem Spezialisten für kleinräumliche Analysen der Migrationsdynamik microm und dem sozialwissenschaftlichen Institut SINUS, nimmt sich diesen Fragen seit Januar 2016 mit einer neuen empirischen Untersuchung an. Ziel ist eine Verstetigung der Migranten-Milieuforschung durch die Diagnose von Trendverschiebungen im Längsschnitt, eine Beschreibung der Veränderungen in der Migranten-Milieulandschaft und ein besseres Verständnis der aktuellen Integrationsdynamik. Kernthemen der Untersuchung sind kulturelle Identität, soziale Integration und gesellschaftliches Zusammenleben.

Die erste Projektphase, die qualitative Leitstudie, wird bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Parallel dazu wird bereits an der Operationalisierung und Konstruktion des Fragebogens für die Repräsentativerhebung gearbeitet, die bis spätestens Ende 2017 belastbare Ergebnisse liefern soll.

Zwischenbericht zur Studie 2016/ 2017 (Dezember 2016) (PDF 969KB)

Link zum FAZ-Beitrag zur Studie 2016/ 2017 (Dezember 2016)

Interview mit Bernd Hallenberg (vhw, stellv. Vorstand) zur Studie 2016/ 2017 (Januar 2017) (PDF 77KB)

Artikel zu Teilstichprobe Geflüchtete in der Studie 2017/ 2018 (Juni 2017) (PDF 1.394KB)

Artikel zu den neuen Migrantenmilieus in der Studie 2017/ 2018 (August 2017) (PDF 490KB)

Sinus-Migranten-Milieus®

Die Sinus-Migranten-Milieus segmentieren und beschreiben die Vielfalt migrantischer Lebenswelten in Deutschland

Zum Thema

SINUS hat als erstes Institut 2008 die Lebenswelten und Lebensstile von Menschen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund, so wie sie sich durch das Leben in Deutschland entwickelt haben, mit dem gesellschaftswissenschaftlichen Ansatz der Sinus-Milieus untersucht. Sie bieten ein unverfälschtes Kennenlernen und Verstehen der Alltagswelt von Migranten, ihrer Wertorientierungen, Lebensziele, Wünsche und Zukunftserwartungen.
Die Studie zeigt deutlich, dass so wie es im interkulturellen Vergleich über Ländergrenzen hinweg Gruppen Gleichgesinnter gibt (Meta-Milieus verlinken), so gibt es auch im "intra-nationalen" Vergleich gemeinsame lebensweltliche Muster bei Migranten aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Die Migranten-Milieus unterscheiden sich weniger nach ethnischer Herkunft und sozialer Lage als nach ihren Wertvorstellungen, Lebensstilen und ästhetischen Vorlieben. Man kann also nicht von der Herkunftskultur auf das Milieu schließen.

Die Studie hat im medialen und wissenschaftlichen Diskurs viel Beachtung erfahren, da sie ein sehr differenziertes Bild der Menschen mit Migrationshintergrund zeichnet und mit vielen gängigen Klischees über diese Gruppe aufräumt. So hat sich beispielsweise gezeigt

  • Der Einfluss religiöser Traditionen bei den Migranten wird oft überschätzt.
  • In der Migrantenpopulation ist die Bereitschaft zur Leistung und der Wille zum gesellschaftlichen Aufstieg deutlich stärker ausgeprägt als in der autochthonen deutschen Bevölkerung.
  • Die Anpassungsleistung der Migranten und der Stand ihrer Etablierung in der Mitte der Gesellschaft werden unterschätzt.
  • Integrationsdefizite finden sich am ehesten in den unterschichtigen Milieus, nicht anders als in der autochthonen deutschen Bevölkerung.

Eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse finden Sie hier.

Ihre Ansprechpartner für die Sinus-Migranten-Milieus:

Dr.Silke Borgstedt - Direktorin Sozialforschung
E-Mail: silke.borgstedt(at)sinus-institut.de
Telefon: +49 6221 8089-35

Berthold Bodo Flaig - Geschäftsführer
E-Mail: bodo.flaig(at)sinus-institut.de
Telefon: +49 6221 8089-17